Kommentar Netzkultur

Keine Indianer unter den Piraten

W-D R. fragte mit Blick auf die Gründung der Deutschen Piratenpartei: Wo sind all die Indianer hin?.

Ich finde den Artikel und vor allem die Überschrift gar nicht mal schlecht, bringt er genau das auf den Punkt, was bei der Geschichte wirklich „bemerkenswert“ ist:

  • Die vorgestellten offiziellen Parteimitglieder in Ämtern scheinen keine bedeutende Netzgeschichte zu haben. Sucht man im Netz nach den im Vorstand angegebenen Personen (und lässt dabei aktuelle Berichte und Meldungen zur Piratenpartei weg), findet man jeweils nur ein paar Hundert Seiten wenn es hoch kommt. Gerade mal bei der Suche nach Peter Böhm bekommt man mehr Treffer. Dies aber nicht weil er so aktiv ist, sondern nur weil diese Namenskombination häufig ist.
    Was W-D R. nur durch die Blume sagte, sag ich mal ganz krass: Der ganze Vorstand besteht aus John Does.
  • Schaut man sich im Wiki oder Forum um, fällt einen auf, daß sich Teilnehmer dort fast nie trauen, einen Hinweis auf ihre reale Identität geben.
    Die Partei möchte sich doch für ein „Prinzip der Öffentlichkeit“ einsetzen oder etwa nicht? Zwar schreibt sie, dass gleichzeitig die Privatsphäre der Bürger verstärkt werden soll; Damit könnte man die „gelebte Anonymität“ der Autoren des Forenbeiträge und des Wikis ja noch akzeptieren. Aber dies gilt nicht für Leute, die öffentliche Ämter in einer Partei oder einen Verein innehaben oder innehaben wollen. Diese müssen bekannt sein. Im Moment dagegen ist das nicht der Fall. Eher wird da wohl Geheimnistuerei betrieben.
  • Netzindianer? Tja, wo sind sie denn?
    Also die, die ich kenne (und ich bilde mir ein, aufgrund meiner eigenen Netzgeschichte einige zu kennen), sind entweder nicht dabei, oder geben das nicht zu. Selbst wenn man die kurze Liste von Robert Herbig als Maßstab für bekannte Netizens herannimmt, finde ich da niemand.
    Wenn ich in diversen Foren und Mailinglisten von anderen Initiativen und Vereinen schaue, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen (z.B.: FITUG), sehe ich zudem keinerlei Diskussion über diese Partei.

Sicher, Bekanntheit der Leute im Netz ist nicht alles.
Die Leute und die Partei können sich entwickeln (und werden es hoffentlich).

Trotzdem lebt eine Partei von Vertrauen der Wähler und dem was sie neben Wahlkämpfen konkret tut. Und da muss man einfach sagen, dass eine beliebige Handvoll der bekannten Netizens (wir können sie ruhig auf die Deutschen beschränken) bislang mehr geleistet haben, als die gesamte Partei.
Was das Vertrauen angeht: Ich vertraue niemand, der Transparenz fordert, aber selbst alles tut um eigene Informationen zu verheimlichen.

Ich stehe der Sache ja durchaus positiv gegenüber. Aber so wie es bislang aufgezogen wurde, glaub ich nicht dass es lange Bestand hat.

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