Kommentar Politik

ver.di stinkt!

Am Wochenende wurde offenbar nach dem ersten ernsthaften Angebot der Arbeitgeber zwischen diesen und der Verdi ein Tarifvertrag ausgehandelt.
Siehe dazu: verdi.de: Vierte Runde: Einigung bringt Gesamtanstieg von 5,8 Prozent

Dieses Ergebnis ist so überraschend schnell wie unbefriedigend. Aber das ist es nicht was mich stört.
Auf dem Flugblatt zu dem Ergebnis musste ich folgendes lesen:

Auszug aus dem verdi Flugblatt

Uns stinkt, dass ihr uns bei den
Warnstreiks und Mobilisierungen
allein gelassen habt. Denn gemeinsam
hätten wir ohne Zweifel für uns
alle mehr rausholen können. Also
kommt jetzt bloß nicht auf die Idee,
eure Nichtmitgliedschaft in ver.di mit
den Schwächen des Kompromisses zu
rechtfertigen. Denn dafür tragt ihr die
Verantwortung.

Ich war beim Streik, genauso wie auch andere Kollegen, die nicht bei der ver.di vertreten sind.
Wir haben uns solidarisch gezeigt und haben dabei nicht einmal ernsthaft das Streikgeld in Anspruch genommen.

Mir stinkt es, dass die Verdi behauptet, wir kommen in den Genuss des Tarifvertrags, zu dem wir ja keinen Finger rühren würden. Ja ich würde mich freuen, wenn ich nicht in diesem stinkenden Genuss des Zwangsflächentarifvertrages
kommen würde!
Denn nur durch diesen Zwang den ihr, liebe Verdi hochhaltet und verteidigt, hab ich keine Chance mit meinen Arbeitgeber über mein eigenes Einkommen zu verhandeln, so wie es überall sonst möglich ist. An den Tag wo ich und viele andere aus dem IT-Bereich selbst verhandeln könnten und an die Wirtschaft angepasste Löhne fordern könnten, würde ich Sektkorken knallen lassen!

Stattdessen darf ich bei Vorstellungsgesprächen mit potentiellen Kollegen mir von denen Sprüche anhören lassen wie Da verdiene ich ja als Busfahrer mehr als hier!.

Und ich muss dem Bewerber dann auch recht geben! Denn nur weil er wegen tariflicher Festsetzungen in eine falsche Gruppe reingepresst werden muss, verdient er am Ende weniger als jemand anders der dieselbe Arbeit macht, aber wegen eines besseren Bildungsabschlusses in eine höhere Gruppe gehört.
Ihr redet hier von gleichem Geld bei gleicher Leistung. Aber gleichzeitig haltet ihr an diesen Tarifgruppen fest.

Das diesjährige Motto und das Credo auf allen Reden war „GUTE LEUTE… GUTE ARBEIT… GUTES GELD!“

Aber dann wird das Leistungsentgelt, welches vor 2 Jahren mit grossem Brimborium eingeführt wurde, einfach verworfen. Ein Leistungsentgelt welches es allein erst ermöglicht hätte, Leute die dasselbe Arbeiten auch nach Ihrer Arbeit und nicht nach ihrer verwaltungstechnischen Eingruppierung zu bezahlen.

Ihr hatten zusammen mit den Arbeitgebern den Auftrag hier ein System zu entwickeln, wie leistungsgerechte Entgelte möglich sind. Ihr habt in den letzten 2 Jahren aber keinen Finger dazu krumm gemacht. Eigenleistung Null sozusagen. Stattdessen habt ihr zugestimmt, dass das Leistungsentgelt mit der allgemeinen Gießkanne ausgeschüttet wird, egal ob besondere Leistung erbracht wurde oder nicht.

Ich war sehr beeindruckt von der Organisation des Streiks am letzten Donnerstag. So sehr das ich ernsthaft überlegte einzutreten, obwohl ich ganz und gar nicht mit vielen Dingen der ver.di-Tarifpolitik einverstanden bin. (Zum Beispiel die Bestrafung derjenigen die Überstunden machen, indem ihnen untersagt werden soll, Überstunden an mehreren aufeinander folgenden Tagen und Wochen abzubauen.)

Die Stimmung war da, dieses mal zu recht mehr zu bekommen als ein Teil des Inflationsausgleiches von ca. 8%. Man hätte dieses mal die Chance gehabt, zu einer Reallohnsteigerung zu kommen.
Aber dieses Ergebnis war es eindeutig nicht wert, dass ich dafür 2 Stunden im Regen den Floskeln der Funktionäre erdulden musste.

Dann aber jetzt noch obige Beschimpfung lesen zu müssen ist unerträglich.
Wenn hier wer stinkt, dann seit ihr das mit solchen Statements!