Webworking

Does & Don‘ts bei Webauftritten

( Folgenden Artikel hab ich in Rahmen meiner Arbeit am Rechenzentrum der Uni Erlangen geschrieben. Er erschien in leicht abgewandelter Form in der Benutzerinformation 83 (April 2010), die derzeit verschickt wird. )

Wenn bei meiner täglichen Arbeit in einem Webteam Hilferufe eintreffen, dann nicht etwa, um sich Tipps zur Textformatierung oder zum Design zu holen. Selbst die technische Umsetzung der Barrierefreiheit, die oft als große Herausforderung gesehen wird, gelingt meist mühelos. Die eigentlichen Schwierigkeiten bei der Bearbeitung von Webseiten tauchen da auf, wo es mehr oder weniger um die Erfahrung der Bearbeiter geht. Diese sogenannten „weichen Faktoren“ sind grundsätzlich unabhängig von der darunterliegenden Technik und werden gewöhnlich auch nicht davon beeinflusst, ob ein Administrator professionelle Editoren oder Content-Management-Systeme verwendet.

Ein Webauftritt ist eine weltweit abrufbare Präsentation, über die sich ein Unternehmen, eine Organisation, ein Lehrstuhl, ein Projekt positioniert. Seit vielen Jahren schon wird bei der Beschaffung von Informationen vorwiegend auf das World Wide Web zurückgegriffen. Alle anderen Medien sind dabei an Bedeutung zu verlieren. Galt früher in der Wissenschaft noch die Aussage:

„Wer nicht in Fachmagazinen publiziert, bekommt oft keine Drittmittel, keine Projekte, keine Mitarbeiter.“

So gilt heute:

„Wer nicht im Web auffindbar ist, den gibt es nicht!“

Trotzdem verwenden viele Betreiber und Autoren weniger Sorgfalt und merklich geringere finanzielle Mittel auf ihre Webauftritte, als auf die Erstellung von Handzetteln, Postern oder gar Visitenkarten. Oft wird eine Webpräsenz nur nebenbei betrieben – von der Sekretärin oder einem vielbeschäftigten Mitarbeiter – , während für die Erstellung neuer Printpublikationen mit Hilfe von Textern, Designern und Werbeagenturen viel Geld hingeblättert wird. Bestenfalls wird eine studentische Hilfskraft beauftragt, sich darum zu kümmern. Aber mal ehrlich, würde man sich im Krankheitsfall wohl auch mit einem Medizinstudenten zufrieden geben, um das Geld für den Arzt zu sparen?

Hier ein paar Tipps und Tricks, wie man Fehler bei den „weichen Faktoren“ vermeiden kann:

Publizieren Sie!

Die Qualität eines Webauftritts definiert sich vor allem über seine Inhalte. Mag das Design auch noch so ausgefeilt und kreativ sein, ein Webauftritt, dessen Inhalte lückenhaft und veraltet sind, hat sein Ziel verfehlt. Besucher kommen über zwei Wege auf Ihren Webauftritt: Eine andere Seite hat einen Link auf Ihre Seite gesetzt oder eine Suchmaschine hat Sie gefunden. Enthält Ihr Webauftritt jedoch keine verwertbaren oder zitierwürdigen Inhalte, gibt es auch keinen Grund, auf Sie zu verlinken. Eine Suchmaschine fahndet nach Suchbegriffen und ein Webauftritt, der auptsächlich Grafiken und Bilder zum Inhalt hat, wird dann nicht gefunden.
Deshalb: Nutzen Sie den Webauftritt um zu publizieren! Bringen Sie Ihre Texte und Arbeiten ins Web und verstecken Sie sie nicht hinter Zugangspassworten. Jedes wissenschaftlich wertvolle Dokument, das sich hinter einem Zugriffsschutz versteckt, ist für das Web unsichtbar und mindert die Chancen, bei der Suche auf eine bessere Position zu kommen bzw. öfter verlinkt zu werden.

Zahlreiche Universitäten und Forschungsverbünde veröffentlichen ihre wissenschaftlichen Erzeugnisse schon seit langem unter Open Access. Beispielsweise bietet das Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf der Plattform DSpace@MIT Forschungsergebnisse und Dokumente zur freien Recherche und zum Download an. Das National Center for Biotechnology Information (NCBI) tut es dem gleich.

Form follows Function

„Das Design eines Webauftritts darf dessen Sinn und Zweck nicht im Wege stehen.“

Ein der Architektur entlehnter Gestaltungsleitsatz, der auch bei der Konzeption von Webauftritten Anwendung finden sollte; denn das Argument, Design sei reine Geschmackssache, hat im Web nicht uneingeschränkte Gültigkeit. Design, das nur gefällt, aber nicht funktional ist, wendet sich nun mal nicht zwangsläufig an die Besucher. Die Regeln zu Barrierefreiheit und Usability schreiben dem Webdesign bereits einen gewissen Rahmen vor, der einzuhalten ist. So muss nicht nur die Navigation eines Webauftritts klar sein, sondern auch die optische Darstellungsform den unterschiedlichen Inhalten (Texte, Grafiken, Tabellen, usw.) angepasst werden. Die empfohlenen Positionen und eine sinnvolle Anzahl einzelner Elemente ist ebenfalls durch ausreichend viele Evaluationen und Studien vorgegeben. Gute Webdesigner berücksichtigen diese Aspekte bereits in der Konzeptionsphase und nicht erst im Laufe der Umsetzung.

Webauftritte sind keine Gemälde

Die optische Gestaltung mancher Webauftritte wird nach einer bereits vorhandenen Druckvorlage ausgerichtet, der wiederum ein definiertes Corporate Design zugrunde liegt. Doch im Web gibt es keine festen Größen: Weder ist die Auflösung des Browserfensters festgelegt, noch die Schriftgröße oder der Startpunkt, über den ein Benutzer die Seite betritt.
Sehen Sie daher von einem Webdesign ab, das von einer Briefvorlage oder einer Folienpräsentation in Din A4 ausgeht.
Prüfen Sie, wie Ihre Webseite in verschiedenen Browserauflösungen aussieht. Dazu gehört auch die Ausgabe auf einem
Drucker oder einem internetfähigen Handy. Generell sollten Sie einen Webauftritt eher von einer Internetagentur mit einem Webdesigner erstellen lassen und nicht von einer Agentur, die sich auf Printmedien spezialisiert hat.
Sie wenden sich ja auch nicht an einen Maler, wenn es darum geht Ihren Wagen zu lackieren!

Baustellenseiten: Kunden warten nicht

Ein absolutes „No Go“ sind Baustellenseiten auf Webauftritten als Platzhalter für neue geplante Seiten. Eine Baustellenseite bringt inhaltlich keinen Mehrwert. Im Gegenteil: Ein Besucher hat eine Seite aufgerufen – in freudiger Erwartung – doch er muss feststellen, dass es umsonst war. Hat sich an der Baustellenseite bis zum nächsten Besuch immer noch nichts getan, wird der Besucher davon ausgehen, dass die Seite nie mehr aktualisiert wird. Die Folge: Er schließt mit dem Webauftritt ab und wird deshalb nicht mehr erfahren, ob die Seite schließlich doch aktualisiert wurde.

Englischsprachige Webseiten werden schlechter gefunden

Manche Einrichtungen der Universität Erlangen-Nürnberg verfassen die Startseite ihres Webauftritts in englischer Sprache, um damit auch internationales Publikum zu erreichen. In einigen Fällen weist nur noch eine kleine deutsche Flagge auf eine deutschsprachige Version hin. Bei dieser Vorgehensweise besteht die Gefahr, dass die Einrichtungen sich mehr schaden, als davon zu profitieren: Zum einen ist die überwiegende Mehrheit an Besuchern der universitären Webauftritte deutschsprachig. So erfolgten beispielsweise im Februar 2010 60% aller Zugriffe aus Netzen der Universität oder von deutschen Providern. Zum anderen indizieren Suchmaschinen die Seiten falsch und werten den deutschsprachigen Teil geringer, da er ein paar Klicks weiter „entfernt“ ist.

Eine Suchmaschine wird einen Webauftritt in englischer Sprache bei der deutschsprachigen Suche (google.de) schlecht
finden; dagegen wetteifert bei der englischsprachigen Suche (google.com) der Webauftritt auf der Ergebnisseite mit amerikanischen und britischen Universitäten, die deutlich mehr englischsprachigen Content bereitstellen. Die Fülle an Konkurrenzseiten sorgt für ein schlechtes Ranking der englischsprachigen Seiten deutschen Ursprungs.

Ein Beispiel: Das Department Biologie hat eine deutschsprachige, inhaltlich sparsame Startseite, das Department Informatik hingegen eine englischsprachige mit mehr Textgehalt. Die Syntax beider Domainnamen ist gleichwertig und spielt beim Vergleich daher keine Rolle.
Bei der Suche nach den Stichworten Biologie Universität findet man das Department Biologie auf der ersten Seite bereits an sechster Stelle der Trefferliste in google.de (Stand: Anfang April 2010). Die Suche nach den Stichworten Informatik Universität bleibt hingegen (fast) erfolglos. Das Department Informatik erscheint erst auf der fünften Seite der Suchergebnisse. In der Regel werden von den Suchenden aber nur die Treffer auf der ersten Seite berücksichtigt. Auch die Suche nach anderen Departments gestaltet sich ähnlich.

Deshalb ist es zwar gut, wenn Sie international auftreten, doch die Startseite einer Einrichtung sollte deutschsprachig bleiben. Vergessen Sie nicht: „Wer nicht im Web auffindbar ist, den gibt es nicht!“
Und wäre es nicht fatal, wenn potentielle Kunden oder Fördermittelgeber Sie nicht finden würden?

Ein Webauftritt ist nie fertig!

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Sie haben Ihren Webauftritt gerade relauncht und sind stolz auf die Umsetzung.
Dann herzlichen Glückwunsch! Aber Vorsicht: Schon morgen sind die Inhalte von heute veraltet. Deshalb: Bleiben Sie am Ball! Informieren Sie Ihre Besucher regelmäßig über das, was Sie tun. Nutzen Sie zum Beispiel ein Blogdienst und betten Sie Ihre Artikel in Ihre Webseite ein.

Kontinuierliche Administration ist unumgänglich

Zahlreiche Webauftritte nutzen komplexe Content-Management-Systeme (CMS) wie beispielsweise Typo3, Joomla, Drupal oder Interred. Andere bedienen sich einfacherer Redaktionssysteme wie WordPress oder selbst erstellter Anwendungen.
Allen Systemen ist eines gemein: Sie installieren sich nicht von selbst, aktualisieren sich nicht von selbst und sind nicht immer einfach zu konfigurieren. Ohne technisches Hintergrundwissen lässt sich eine Reihe von ihnen gar nicht erst zum Laufen bringen.
Und selbst dann, wenn ein System erfolgreich installiert wurde, ist eine ständige Aufsicht und Pflege nötig. Sollten Sicherheitslücken auftreten, erfordern sie in der Regel eine schnellstmögliche Behebung. Sonst kann der eigene Webauftritt schnell zum Opfer eines Hacks werden. Dies kann dann durchaus zu einem ungelegenen Zeitpunkt erfolgen. So wurde beispielsweise die Website einer Studienberatungsstelle der Universität, die eine veraltete WordPress-Version nutzte, ausgerechnet in der ersten Semesterwoche des Wintersemesters 2009/10 „gehackt“ und musste deswegen vom Netz genommen werden.

Manche Hacks haben ausschließlich das Ziel, Werbung abzusetzen.
Auf diese Weise wurde zum Beispiel ein Lehrstuhl missbraucht, der noch bis vor kurzem ein eigenes, aber unbetreutes
Forum betrieb. Ein bekanntes Sicherheitsloch in der verwendeten Software wurde dazu genutzt, Werbung auf dem Webauftritt des Lehrstuhls zu platzieren und sich Zugang zu allen Dateien zu erschleichen.

Sie haben schlaflose Nächte, weil ein Hacker vielleicht schon morgen Ihre Lehrstuhlseite korrumpiert haben könnte und dort strafrechtlich relevante Dokumente abgelegt hat? Dann sorgen Sie dafür, dass dieser Fall erst gar nicht eintritt.
Informieren Sie sich rechtzeitig und machen Sie sich Gedanken darüber, was Sie wirklich wollen – nicht nur heute, sondern auch in zwei Jahren, wenn der Administrator Ihrer Website vielleicht schon wieder ein anderer ist.

Kurzum: Wer im Rahmen seines Webauftritts Content-Management-Systeme, Redaktionssysteme oder Webanwendungen einsetzt, ist auf einen aufmerksamen und kompetenten Administrator angewiesen.
Und dies dauerhaft. Nicht nur für die Phase des Relaunches.
(Oh, dies hat Ihnen Ihre Agentur verschwiegen? Sie haben sie aber auch nicht gefragt, oder? Oh, wie bedauerlich…)

Nehmen Sie Ihren Webauftritt ernst!

Kurzum: Glauben Sie nicht, mit dem Ausfüllen ein von ein paar einfachen Formularen und den Schreiben von etwas Text ist es getan. Denken Sie daran, was ich vorher schrieb:
Ein Webauftritt ist eine weltweit abrufbare Präsentation. Der Webauftritt repräsentiert Sie überall und jederzeit.
Wenn Sie keine Zeit und kein Geld darin investieren, sieht der Webauftritt auch dementsprechend aus. Und der entsprechende Eindruck fällt auf Sie zurück.

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