Kommentiert: Our Core Division

Matt hat heute einen interessanten Beitrag gepostet, bei dem ich mich aus dem Alltag heraus häufig wiederfand:

Our Core Division

Matt beschreibt WordPress als eine Plattform, die von zwei grundlegend unterschiedlichen Nutzergruppen geprägt wird: Blogger und Builder (also Entwickler). Blogger verstehen WordPress vor allem als Veröffentlichungsplattform für Inhalte mit chronologischen Beiträgen, Kommentaren, RSS und sozialer Vernetzung. Entwickler hingegen sehen WordPress primär als Werkzeug zum Erstellen und Verwalten langlebiger Websites, Unternehmensauftritte und Onlineshops mit statischen Seiten, Templates und strukturierten Inhalten.

Aktuell orientiert sich die Weiterentwicklung im WordPress-Core nach Ansicht von Matt stark an den Bedürfnissen der Entwickler. Er plädiert jedoch dafür, die klassischen Blogger-Funktionen wieder stärker in den Fokus zu rücken. Insbesondere im Zusammenspiel mit dem Fediverse und offenen Webstandards wie RSS, ActivityPub und ATProto sieht er große Potenziale.

Ich sehe das recht ähnlich, hab doch durch mein berufliches Umfeld täglich Kontakt mit beiden Zielgruppen (und noch einigen mehr). In meinen Team entwicklen wir ja selbst Plugins und bieten diese auf unseren Multisites an.

Ich hab es daher bei ihm im Blog wie folgt kommentiert (dort in Englisch, noch nicht freigeschaltet):

Ja, es ist wertvoll, stets daran zu erinnern, für wen man das ganze tut. Es ist immer wieder ein Spagat zwischen einer IT-affinen Seite an Entwicklern, die in einem System quasi leben und den normalen nicht IT-affinen Anwendern zu schaffen, die es einfach nur mal nutzen, wie sie es schon immer taten.
Erste Gruppe erfreut sich an neuen Features, möchte neues Technologien umsetzen und es weiterbringen. Letztere denken an ganze andere Dinge und wollen einfach nur ihr Text schreiben ohne was neu lernen zu müssen.
Und erst recht haben diese dann gar keine Lust oder Bedarf, irgendetwas zu designen. Weswegen viele Funktionen, die der Site Editor anbietet und auf die dessen Entwickler zu recht stolz sind, völlig an dieser Gruppe vorbei geht. Denn diese wollen ein fertiges Design haben, wo alles schon da ist. Manche wollen sogar vorgefertige Plugins haben. Schon Classic Themes, die den Customizer hatten, führten einige dieser Leute vor für sie nicht lösbaren Herausforderungen.

Teilweise ist es aber auch ein Generationen-Problem. Die alten Hasen, die schon vor 20 Jahren im Internet waren, lesen und schreiben ganz anders als jüngere Generationen. Sie sind auch, meiner Erfahrung nach, viel Geduldiger was Websites angeht. Content zählt für diese mehr. Und zu viel Buzzwords und zu viele Symbolbildern lassen diese von der Website fliehen. Während genau solche DInge andere eher gut finden.

Ich glaub wir werden mit diesen andauerenden Drahtseilakt auch in Zukunft noch weiter leben müssen. Was aber auch irgendwie Spaß macht und eine Challenge ist, die das ganze spannend hält, oder?
Die Zukunft bleibt spannend und aufregend. Wie wird WordPress wohl in 10 Jahren aussehen und für welche Zielgruppen wird es dann das System der Wahl sein? Werden KI-Agenten WordPress genauso lieben wir wir?