Barrierefreiheit Netzkultur Veranstaltungen

Gibt es mehr als 10 seriöse Webagenturen in Deutschland?

Um den Vortrag von Christian Heilmann beim A-Tag entzündete sich offenbar viel Kritik und Frust.
Christian selbst, der Mut machen wollte und da einen guten Vortrag machte fühlt sich missverstanden und will kein Vortrag mehr auf rein deutschsprachigen Kongressen halten, während woanders ein hin und her geht, wie man was meinte und interpretieren müsste.

Nur damit meine Position ganz klar ist: Ich finde sein Vortrag (ich hab ihn zweimal gehört und gelesen) recht gut. Trotzdem muss jeder Redner auf einen Kongress Diskussion ertragen können. Und hier hat er nunmal einen wunden Punkt getroffen, was Diskussion provoziert!

Ja, Entwickler brauchen Freiheit um kreative und innovative Lösungen zu machen, die dann selbstverständlich auch Barrierefrei sind!

Aber auch:
Ja, es gibt immer noch viel zu viele unseriöse IT-Agenturen, die nur durch Druck von Gesetzen oder Verordnungen etwas dazu neigen, die Barrierefreiheit ernster zu nehmen und denen man nur durch konkrete Richtlinien wie der WCAG2 nachweisen muss, wenn die falsche Dinge versprechen.

Christian hat Mut machen wollen und wollte die Chancen und die Aufbruchstimmung vermitteln, die möglich ist. Das ist voll richtig und wichtig.
Aber für die gefühlte Mehrheit der Leute lebt er damit in einer Idealwelt und stößt gerade die Leute, die negative Erfahrungen sammeln mussten vor den Kopf: Denn die sehen mit Christian wie schön es mit einer guten Firma mit einem tollen Entwickler hätte sein können!
Dann aber schauen die Leute auf die Probleme ihrer eigenen Realität, wo „zu Hause“ irgendeine Pfuschfirma denen etwas eingebrockt hat. Das steigert die Frust.

Das ist quasi so, als ob ein Delikatessen-Koch in einem von Hunger und Düre geplagten Gebiet rumläuft und den Leuten dort etwas von Trüffel erzählt!

Ich behaupte:
Wenn ich heute für ein Webprojekt eine Ausschreibung mache und Angebote anfordere, dann ist die überwiegende Mehrzahl der Angebote das Papier nicht wert auf dem sie geschrieben wurden!

ich erkennen solche unseriösen Angebote, weil ich mich mit der Materie auskenne. Die meisten Leute aber, die einen Webauftritt in Auftrag geben können das aber nicht erkennen und glauben jeder Agentur, wenn die nur die richtigen Worte nutzen und gut auftreten.
Der Webauftritt muss Barrierefrei sein? Ok, wenn die Agentur sagt, das jenes was die da machten barrierefrei ist, dann ist der Webauftritt auch barrierefrei. Schließlich wurden die ja auch teuer dafür bezahlt.
Ein teurer Webauftritt ist nicht deswegen barrierefrei, weil er es wirklich ist, sondern weil auf einer Werbefolie der Agentur draufsteht, daß es so sei.
Der Chef/Auftraggeber glaubt dies. Und wer was anderes sagt oder auf Fehler hinweist ist nur ein renitenter Mitarbeiter, der dem Chef in Frage stellt und deswegen schon falsch liegt. Oder nur irgendein Blogger.

Für die Kontrolle dessen, was die Agentur da hingeworfen hat, steht kein Geld und keine Zeit zur Verfügung. Und selbst wenn es beides gäb: Allein auf die Idee der Kontrolle kommen viele doch garnicht!

Als Internetbeauftragter will ich genausowenig wie Christian noch weiter über die Notwendigkeit von ALT-Attributen reden oder die korrekte Semantik von Dokumenten. Viele Jahre nach Gesetzen und Verordnungen zur Barrierefreiheit, denen ja auch noch einige Jahre der Diskussion und Entwicklung in Experten-Kreisen vorausgingen, erwarte ich einfach, daß jede Webagentur von sich aus selbstständig und ohne extra Angebotsoption, Aufträge gemäß den aktuellsten Erfahrungen und Wissen und der stabilsten und nachhaltigsten Technik erfüllt. Da gehört barrierefreie Gestaltung einfach dazu.

Dies erfüllen heute die meisten Agenturen aber nicht. Die meisten Ergebnisse von kommerziell hergestellten Webauftritten nutzen immer noch veralteten Techniken wie Table-Layout oder auf den Internet Explorer abgestimmtes Design und das Erzeugnis ist eigentlich nur „Chefgerecht“.
Das nenn ich unserös. Wenn diese Agenturen dann aber auch noch behaupten, das Erzeugnis sei barrierefrei, dann ist das schon haarscharf betrügerisch!

Ich persönlich kann nicht mehr als eine Handvoll Agenturen in Deutschland nennen, von denen ich bedenkenlos behaupten könnte, das diese von Beginn des Prozesses an bis zum Ende durchgängig auf Dinge wie Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit, Standardkonformität, Nutzbarkeit und Integrativität achten.
Yahoo wird zu diesen Agenturen dazu gehören, die es richtig machen und die ich serös nenne. Denn die haben Leute wie Christian, die es ernst meinen, die innovativ und einfach gut sind!

Aber wie gesagt: Die Mehrheit aller Agenturen lassen nur warme Luft ab, sind gut in Werbematerialien und sorgen sich mehr um ein optisch und persönlich gutes Auftreten ihres Consultants als um die Weiterbildung ihrer Entwickler.

Und solange dies so ist, solange viele unseriösen Agenturen weiter kaputte Billiglösungen und chefgerechte Websites teuer verkaufen können, so lange brauchen wir Regeln.

Haben wir es dagegen mit einer richtigen professionellen Agenture zu tun, dann ist auch das Vertrauen in den Entwickler gerechtfertigt um diesen Zeit und Chance für Innovationen und Experimente zu geben.

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