Kommentar

Keine Full-Stack-Genies

Physik und globale Ethik: 15 Punkte. Informatik und Vortragsvorbereitung: 0 Punkte.

Bei einem Vortrag an einem Gymnasium ist der berühmte Physiker und Wissenschaftsevangelist Harald Lesch leider auf einem falschen Fuß erwischt worden.

So berichtet der Merkur:

ZDF-Physiker Harald Lesch verliert vor Schülern völlig die Fassung

So forderte er zunächst von einem Gymnasium die Bereitstellung von professioneller, aber an Schulen eher exotischer Vortragstechnik.

Als diese dann geliehen und bereitgestellt wurde und deswegen niemand Erfahrung damit hatte -außer er selbst, da er sie ja anforderte- kam es zu Problemen mit seinem Laptop.

Welcher ja auch in seinem Verantwortungsbereich läge.. Zumal wenn er in einem entsprechenden Ausschuß wäre. Es wäre für jemand, der tatsächlich Ahnung von IT Sicherheit hat völlig undenkbar, dass man einfach so ein fremdes Equipment mit Zugriff auf die das OS an den Rechner steckt.

Als es dann Probleme gab, schob Lesch nach dem Bericht Schülern die Schuld zu, die seinem Rechner gehackt haben könnten.

Zusammengefasst:

  • Unfähigkeit auf vorhandene Bedingungen einzugehen.
  • Andere damit beauftragen, die eigene Unfähigkeit durch Beschaffung angeforderter Technik zu mildern.
  • Mangelhafte eigene Vorbereitung, inkl. Konfiguration des eigenen Rechners für die Technik, welche man selbst anforderte.
  • Auf Basis mangelhafter Daten Behauptungen aufstellen („Hack“).
  • Schüler drohen.

Das trübt das positive Bild doch sehr, welches ich bislang von Professor Lesch hatte.

Gleichwohl ist Professor Lesch zwar ein Professor für Physik und begnadet darin, Wissen zu vermitteln. Er ist jedoch kein Informatiker. Dementsprechend ist seine Vermutung, dass ein nicht funktionieren des Computers auf ein Hack (anstelle einer Fehlbedienung) zurückzuführen sei, zu hinterfragen: Auf dem Gebiet der IT ist er mangels der entsprechenden Ausbildung daher nur Laie.

Denn die Promotion in einem oder auch in zwei Disziplinen macht einen Menschen nicht zu einem Universalgenie. Das gilt für Physiker genauso wie für Juristen, wie auch für Informatiker.

Zudem: Der Artikel gibt nur eine Sicht wieder. Andererseits ist der Merkur nicht die BILD und somit nicht dafür bekannt, Dinge zu erfinden.

Warum schreibe ich das?
Es geht nicht darum, Professor Lesch zu dablecken!
Es geht wider der Tendenz, dass man sich von bekannten Namen, Positionen oder Titeln leiten lässt und dabei aufgibt, Dinge zu hinterfragen!

Wir alle sollen stets den Mut behalten, zu reflektieren, zu hinterfragen und sich unseres Geistes zu bedienen. Wir sollten uns nicht auf Schein oder auf einem guten Ruf ausruhen.

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